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15.11.09

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  • OSKAR UND DIE DAME IN ROSA 

  • Vorarlberger Nachrichten

    Theater, das unter die Haut geht

    „Oskar und die Dame in Rosa" ist ein Stück über den Tod und doch fröhlich.

    Sommerlechner: „Es ist ein komisches Stück, das in der Komik zum Nachdenken anregt:'

    (Foto: Keiler)

    VERONIKA FEHLE VN

    veronika.fehle@vn.vd.at

    VN:„ Oskar und die Dame in Rosa" handelt von einem kleinen Jungen, der sterben wird. Das Stück ist aber durchaus auch komisch.

    Sommerlechner: Es ist kein sentimentales Stück. Die Situation wird gezeigt, wie sie eben ist. Aber gerade dadurch, dass Oskar auch immer wieder „freche" Briefe an Gott schreibt, hat das Stück auch seine komischen Seiten. Für Oskar zählt jeder Tag nun für zehn Jahre und so schreibt er Gott beispielsweise, dass er nun an einem Tag gerade die Pubertät durchlebt hat.

    VN: Dabei wird mit dem Thema „Tod" sehr offen umgegangen.

    Sommerlechner: Ich finde, das muss auch so sein. Wenn man nicht darüber reden könnte, bliebe es immer ein Tabuthema. Das macht auch den Unterschied zwischen der Dame in Rosa und Oskars Eltern aus. Die Eltern tabuisieren das Thema Krebs, die Kommunikation scheitert. Die Dame in Rosa sagt ihm klipp und klar, wie die Situation ist.

    VN: Kunst, Musik und Comedy bestimmen das Erscheinungsbild. Wie kam es zu dieser Stilmischung?

    Sommerlechner: Wir wollen Theater aus der Hosentasche machen, also mit wenig Aufwand und ohne große Bühnenhydraulik. So, dass wir auch an verschiedenen Orten im Land das Stück spielen können. Mit Musik werden Orte und Stimmungen definiert. Comedy darf nicht im Sinn der Stand-Up-Comedy verstanden werden. Man klatscht sich nicht vor Lachen auf die Schenkel. Es ist Komik mit Tiefgang.

     

    VN: Immer wieder sind auch Gemälde von Schiele, Klee und anderen präsent. Welche Funktion erfüllen sie?

    Sommerlechner: Es sind Gemälde, die sich mit dem Tod beschäftigen. Sie sind im Hintergrund immer präsent und werden auf Spitalshemden Projiziert. So ist das Thema des Todes, neben aller Komik. im Hintergrund sichtbar.

    VN: Sie proben ja bereits. Muss man da nicht auch, thematisch bedingt, manchmal ordentlich schlucken?

    Sommerlechner: Ich bin ja selbst Vater, und als ich das Stück gelesen habe, kamen auch mir die Tränen. Ich habe also ein Weilchen gebraucht. bis ich es geschafft habe, das Stück durchzustehen. Das Stück geht unter die Haut.

    Oskar und die Dame in Rosa" ist am ® 20. und 21. April, 20 Uhr, in der Remise Bludenz zu sehen. Weitere Termine 14. Mai, 20.30 Uhr, Kammgarn Hard; 20 21., 25., 26. Mai, 20 Uhr, Kommarkttheater Bregenz; 8. und 9. Juni, 20 Uhr, Pförtnerhaus Feldkirch.

  • Vorarlberger Nachrichten

    Das Schwere kann auch leicht sein  

    Theater Shakespeare versucht mit „Oskar und die Dame in Rosa" gut zu trösten.

      Hard (VN-cd) Ursprünglich wollte man die bereits vielfältige Vorarlberger Theaterszene noch mit Comedy anreichern. Obwohl das Theater Shakespeare jene szenischen Lesungen, die es nun bietet, auch in dieses Genre reiht, hat man damit eine Kursänderung vorgenommen. Und blieb nach dem Publikumserfolg mit „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" von Eric-Emmanuel Schmitt bei diesem Autor. Das Büchlein „Oskar und die Dame in Rosa" über das Sterben eines krebskranken Kindes hat schon manche getröstet. Szenisch nacherzählt (Regie: Renate Bauer) soll es nun noch mehr Menschen erreichen.

    Dem Kitsch entwischt

    Das tut es auch. Martin Sommerlechner spielt mit leiser Naivität das kranke Kind, Karin Mommsen (jahrzehntelang ein beliebter „Fixpunkt" im Ensemble des Theaters für Vorarlberg) jene Frau, die die Mauer, die das Kind um sich errichtet, durchbricht. Es wird ein bisschen viel gepoltert, wenn sie von ihrer Vergangenheit als Ringerin erzählt und diese Kraft auf Oskar überträgt, man weicht aber auch dem Kitsch (der dem Text innewohnt) sehr gut aus. Oscar, dessen Sterben von seinen Eltern verdrängt wird, findet - auch wenn er vom Weihnachtsmann enttäuscht wurde - in der Religion ein wenig Halt. Er erlebt jeden ihm noch bleibenden Tag wie ein Jahrzehnt, verliebt sich und übernimmt Verantwortung. Egal, ob man gläubig ist oder nicht, etwas nimmt man auf jeden Fall mit. Ein schwerer Stoff, der hier schön leicht da herkommt, auch wenn es vor Vorteil gewesen wäre auf einige der projizierten und dann doch ablenkenden Kunstwerke zu verzichten.

    Weiterte Termine von „Oskar und die Dame in Rosa": 14. Mai, 20.30 Uhr Kammgarn Hard, 20., 21., 25. und 26. Mai 20 Uhr, Landestheater Bregenz, 8. und 9 Juni, 20 Uhr, Pförtnerhaus Feldkirch

    Regisseurin Renate Bauer mit Karin

    Mommsen und Martin Sommerlechner. (Foto: Theater Shakespeare

     

     

     

     

     

    Neue

    Das Sterben eines Kindes

    Nach „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" im Vorjahr zeigt Shakespeare, das theater auch, heuer ein Stück von Eric-Emmanuel Schmitt. „Oskar und die Dame in Rosa" hat morgen in der Remise in Bludenz Premiere.

    VON BRIGITTE KOMPATSCHER

    Es ist kein leichtes Thema, welches in Eric-Emmanuel Schmitts Erzählung „Oskar und die Dame in Rosa" abgehandelt wird. Das Sterben eines zehnjährigen Kindes, Oskar, an Krebs bildet den Inhalt der Geschichte, die von Shakespeare, das theater in diesem Jahr für die Bühne adaptiert wird und von der Martin Sommerlechner vom Theater sagt: „Hier wird ein Tabuthema unsentimental, witzig und poetisch rübergebracht." Eric-Emmanuel Schmitt biete mit seinen Texten die Möglichkeit, „Comedy als Erzählform zu verwenden, ohne kabarettistisch zu sein".

    Der Text ist „eine Art Briefroman von Oskar an den lieben Gott, obwohl er nicht daran glaubt", so Sommerlechner, und schildert die letzten Tage im-heben des Jungen, die er im Krankenhaus verbringt. Mit seinen Eltern kann Oskar nicht mehr richtig reden, eine Dame in Rosa wird zur zentralen Figur.

    In der Inszenierung von Renate Bauer wird „Oskar und die Dame in Rosa" gelesen, gespielt sowie mit Musik, teils eigens dafür komponiert, und Videos (Projektionen von Bildern von Künstlern zum Thema Tod) unterlegt Als Oskar ist Martin Sommerlechner zu sehen und die Grande Dame des ehemaligen Theater für Vorarlberg, Karin Mommsen, ist nach langer Zeit wieder auf einer Vorarlberger Bühne zu sehen: Sie spielt in der Produktion von Shakespeare, das theater die Dame in Rosa.

    Die Premiere ist morgen.

    Premiere: Donnerstag. 20. April, 20 Uhr, Remise Bludenz. Weitere Aufführung in Bludenz: Freitag, 21. April, 20 Uhr. Hard, Kammgarn: 14. Mai, 20.30 Uhr. Bregenz, Foyer Landestheater: 20., 21., 25. und 26. Mai, jeweils 20 Uhr. Feldkirch, Pförtnerhaus: 8. und 9. Juni 20 Uhr.

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    kultur SAMSTAG , 2 2 . A P R I L 20 0 6

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    Foto: shakespeare, das theater

    Oskar: „Nur der liebe

    Gott darf mich wecken"

    Shakespeare, das theater startete am Donnerstag in Bludenz seine neue

    Produktion „Oskar und die Dame in Rosa" nach Eric-Emmanuel Schmitt.

    VON MARTIN JUEN

    Die kleine wie feine Theatergruppe setzte den Start ihrer diesjährigen Bühnentournee in der Bludenzer Remise an. Der Saal war fast ausverkauft, das Alpenstädtle konnte sich über eine gelungene Premiere von „Oskar und die Dame in Rosa" nach einem Briefroman von Eric-Emmanuel Schmitt freuen. Dabei steht der Stoff vordergründig unter keinem „guten" Motto: jenem des Sterbens. Und der betroffene Oskar ist kein

    Mensch im Lebensherbst, sondern ein mental ziemlich aufgeweckter Junge, der an Leukämie

    erkrankt ist. Doch nicht sein eigenes, sondern das vermeintliche Leiden seiner Angehörigen schmerzt den Zehnjährigen. Das von ihm überlauerte Schweigen und Lügen seiner Eltern weckt den Trotz. Und Oma Rosa, ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Klinik, die nur Oskar so nennen darf, weckt nochmals alle Lebensgeister des Todgeweihten. Sie überredet ihn zum Dialog mit Gott, ohne auf dieses vom Klerus geformte Übervaterbild zu bestehen. An den kann der Knabe nicht glauben, schließlich will er sich nach der Pleite mit dem Weihnachtsmann nicht nochmals über den Tisch ziehen lassen. Und doch beharrt er darauf: „Nur der liebe Gott darf mich wecken." Wie nun die Dame in Rosa es schafft, Oskar über 100 Jahre alt werden zu lassen, sollten Sie sich gönnen. Auch weil unter der sensiblen Spielleitung von Renate Bauer dieser erfrischend

    agierende Martin Sommerlechner den krebskranken Buben ausgesprochen lebensnahe bringt. Karin Mommsen

    gibt authentisch die gütige Oma Rosa sowie die Stimme aus dem Off, die sie sich mit Einspielungen vom Band teilt. Die schlichte Kulisse wird nur durch unterschiedliche Bildprojektionen verstärkt und fördert so eine bemerkenswerte Entfaltung der beiden Mimen. So gerät das Stück zu einem erbauenden Bekenntnis zum Leben – und also zum Tod . . . „Oskar und die Dame in Rosa" in der Version von Shakespeare, das theater ist eine sehenswerte Produktion, die in den nächsten Wochen auf mehreren Bühnen des Landes zu sehen sein wird.

 

 

 

 

 

  • "MONSIEUR IBRAHIM UND DIE BLUMEN DES KORAN"

    NEUE VORARLBERGER TAGESZEITUNG

    vom 24 05 05

    „Es ist das Lächeln, das glücklich macht"

    In den nächsten Wochen ist auf mehreren Bühnen des Landes „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" von Eric-Emmanuel Schmitt zu sehen.

    VON MARTIN JUEN

    Der junge Moses freundet sich mit Monsieur Ibrahim, dem einzigen „arabischen" Händler in der Rue Bleue in Paris an. Der weise Mann schenkt dem von ihm Momo genannten Heranwachsenden jene Aufmerksamkeit und Güte, welche dem von seinem depressiven Vater verwehrt bleibt. Übrigens: In Monsieur Ibrahims Metier ist ein Araber einer, der „von acht bis 24 Uhr und auch sonntags" geöffnet hat. Er hat also viel Zeit und Geduld.

    Der anfänglich ziemlich schweigsame Händler, ein Anhänger des Sufismus, öffnet dem Pubertierenden mit wachsender Zuneigung die Schatztruhe seines großen Wissens. Ob das Lächeln nur etwas für glückliche Menschen sei, fragt etwa der Junge. Und der Alte antwortet: „Es ist das Lächeln, das glücklich macht." Aber auch viele andere Weisheiten vertraut Monsieur Ibrahim seinem Freund an, den er schließlich in die eigene, lange nicht mehr gesehene Heimat und dort zu den Derwischen führt.

    Die freie Gruppe Shakespeare, das theater hat den Stoff von Eric-Emmanuel Schmitt für die Bühne adaptiert (Regie: Renate Bauer). Martin Sommerlechner gibt mit großem Einsatz den Moses, spricht aber auch die weiteren Rollen - nur Ibrahims Part ist fragmentarisch über Band zugespielt (Bruno Felix) - und füllt somit eine schlichte Kulisse mit enormem Leben. Das Stück profitiert also nicht nur von der Vorlage, sondern ebenso vom wohldosierten Engagement des Darstellers. An den Nuancen der Beschallung sollte noch gefeilt werden. Ansonsten hat Shakespeare, das theater eine bemerkenswerte Produktion erarbeitet, welche noch bis 8. Juni in Bregenz (heute, 26., 31. 5.: Theater am Kornmarkt), Dornbirn (25., 28. 5.: Kulturhaus), Feldkirch (29. 5., 1., 2. 6.: Theater am Saumarkt), Lindau (5. 6.: Zeughaus) und Bludenz (7. und 8. 6.: Remise) zu sehen ist.

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    VORARLBERGER NACHRICHTEN

    vom 28. 05 05

    Warmherziger Humor bei

    Theater „Shakespeare"

    Bregenz (VN-hv) " Eric-Emmanuel Schmitts hinreißende, bittersüße Erzählung " Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" wurde vom Ensemble " Shakespeare" für die Bühne bearbeitet.

    Die Ausgangssituation des Jungen Moses ist mehr als trist: Die Mutter hat den Säugling verlassen, der Vater begeht Selbstmord, weil er nie verkraftet hat, als Einziger seiner jüdischen Familie die Judenverfolgung überlebt zu haben. Doch zum Glück ist da der muslimische Krämer Monsieur Ibrahim.

    Unter der Regie von Renate Bauer spielt Martin Sommerlechner - vor Jahren waren beide Ensemblemitglieder am Theater für Vorarlberg - quicklebendig den anfangs elfjährigen Jungen, der sich als Loser fühlt, bis ihn Monsieur Ibrahim behutsam aus dieser Rolle herausführt. Vom Band hören wir dessen Stimme (von Bruno Felix mit viel Güte gesprochen), ein andermal schlüpft Sommerlechner selbst in beide Rollen.

    Miteinander keine Utopie mehr

    Gespielt wird mit einem Minimum an Requisiten. Martin Sommerlechners wetterleuchtendes Gesicht wird zur eigentlichen Bühne, auf der sich Weinen und Lachen wie auch das die Welt erobernde Lächeln abspielen. Neben der Selbstfindung des Jungen wird hier das reibungslose Miteinander in einer multikulturellen Gesellschaft nicht als Utopie, sondern als Realität erzählt. Die Poesie und der warmherzige Humor kommen herüber, die tiefere Dimension berührt bei dieser erfrischend natürlichen und doch auch nachdenklich stimmenden Aufführung.

    Weitere Aufführungen im Bregenzer Kornmarkttheater, 26. und 31. Mai, 20 Uhr, im Kulturhaus Dornbirn (28. Mai), am Feldkircher Saumarkt (29. Mai, 1. und 2. Juni) sowie in der Bludenzer Remise (7. und 8. Juni). Internet: www.shakespearetheaterverein.com

     

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    DREHPUNKTKULTUR

    So einfach sollte das Leben sein

    „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" in einer Bühnenfassung im Theater im Saumarkt im voralbergischen Feldkirch

    Von Georg Reittner

    28.06.05 Der Film „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" lief vor kurzem in Salzburgs Kinos. Omar Sharif spielte da in eindrucksvoller Weise den Monsieur Ibrahim. Daher war ich mehr als gespannt, wie das Bühnenstück, aufgeführt von „Shakespeare, das Theater" im Saumarkt Theater im voralbergischen Feldkirch, aussehen würde. Letzte Woche war ich dort und habe meiner Leidenschaft fürs Theater nachgegeben. Und es hat sich gelohnt. Falls Sie in dieser Gegend sind: es wird noch am 6. und 7. Juli in der Remise in Bludenz gespielt.

    Ich wusste ja, von frühren Besuchen im Ländle, dass es weder eine aufwendige noch teure Produktion sein konnte – das Saumarkt Theater ist klein und hat nur wenige Zuschauerplätze. Ein Alurahmen mit einem Schnürl-Vorhang an dem lauter kleine runde Metallplättchen angebracht sind, sind die Requisiten: Es ist der Eingang zum Laden des "Arabers", wie er von den Kunden genannt wird.

    „Araber sein bedeutet, auch nachts und sonntags den Laden geöffnet zu haben!" Nur ein Schauspieler ist auf der Bühne: Martin Sommerlechner. Und dieser erzählt rückblickend die Geschichte vom Heranwachsen eines jüdischen Buben namens Moses, der vergebens um die Anerkennung seines lebensuntüchtigen Vaters kämpft. „Mein Bruder wurde mir immer als Vorbild hingestellt. Er ist mit Mutter kurz nach meiner Geburt davongegangen." Regie führte Renate Bauer. 

    Als Hintergrundmusik erklingt Jazz. Diese kommt, ebenso wie die Stimme des Monsieur Ibrahim (Bruno Felix), vom Band. Der junge Moses, von Monsieur Ibrahim Momo gerufen, beginnt seinen Vater zu bestehlen, später dehnt er seinen Wirkungsbereich auch auf den Laden des Arabers aus. „Ich hätte ihn noch jahrelang beklaut, wäre da nicht Brigitte Bardot in den Laden gekommen..."

    Martin Sommerlechner erzählt nicht nur eine Geschichte, er vermag mit seinem Spiel auch die handelnden Personen lebendig werden zu lassen, dass der Eindruck entsteht, sie stünden auf der Bühne. „Monsieur Ibrahim hat mir die wirkungsvollste aller Waffen gegeben: das Lächeln!" und „Was du verschenkst, bleibt für immer erhalten. Was du jedoch für Dich behältst, ist für immer verloren!" So einfach sollte das Leben sein.

 

 

 

 

  • "SHAKESPEARES SÄMTLICHE WERKE -

    LEICHT GEKÜRZT"

    Neue Vorarlberger Tageszeitung

    Fr, 17.11.2000

     

    Kultur

    Shakespeare kompakt - ein komödiantisches Feuerwerk

    Alle 37 Stücke Shakespeares wurden in der Kellerbühne St. Gallen an einem Abend aufgeführt, "leicht" gekürzt natürlich. Im Jänner kommenden Jahres wird diese hinreißende Produktion auch in Vorarlberg zu sehen sein.

    VON WALTER GASPERI

    Shakespeare ist "in", allerdings nur in der entsprechenden Aufbereitung. Im Kino landete Baz Luhrman dank des schönen Leo mit seinem "Romeo und Julia"-Videoclip einen Welterfolg und "Shakespeare in Love" räumte bei der Oscar-Verleihung 1999 so richtig ab.

    Auch Jon (Martin Sommerlechner) will den Leuten Shakespeare nahe bringen. Kann man das denn heute - in der Zeit von "Big Brother", Gottschalk und Schmidt - überhaupt noch? - Sicher doch, wenn man mit drei SchauspielerInnen in 100 Minuten alle 37 Stücke des großen Dramatikers aufführt, bleibt keine Zeit für Langeweile. Dies ist der Ausgangspunkt von "Shakespeares sämtliche Werke - `leicht' gekürzt", das seit fünf Jahren mit großem Erfolg im Londoner Westend läuft und nun von Martin Sommerlechner mit Renate Bauer und Michael Schefts in St. Gallen inszeniert wurde.

    Ironisch und respektlos

    Chris (Michael Schefts) eröffnet mit einer kurzen Shakespeare-Biographie, verirrt sich dabei aber in Hitlers Leben. - Immer wieder werden informative Einblicke in Leben und Werk des englischen Dramatikers geboten, aber immer folgt auch rechtzeitig der Wechsel ins Komödiantische. Mit "Romeo und Julia" geht der Stücke-Reigen dann los. Originalverse werden zitiert, teils ernst, teils aber auch durch Mimik und Gestik der Schauspieler ironisch gebrochen. Die berühmte Balkonszene wird zu einem funkelnden Kabinettstückchen. Als wunderbar eingespieltes Team erweisen sich nicht nur hier Bauer, Sommerlechner und Schefts.

    Dass es sich um eine typisch englische und das heißt respektlose und für manche vielleicht auch geschmacklose Comedy handelt, wird spätestens bei der "Titus Andronicus"-Inszenierung deutlich: Im TV-Kochstudio bereitet Titus seinen Gegner zur Menschenkopfpastete zu.

    Vom Rap bis zum Fußballspiel

    Othello wird als Rap aufgeführt, die 16 Komödien werden zu einer verarbeitet, da "alle nach dem gleichen Schema aufgebaut sind". Doch die Tragödien sind viel lustiger als die Komödien. "Macpscht" (den Namen nie in einem Theater aussprechen: alter englischer Fluch) wird als schottisches Mundartstück dargeboten und die Königstragödien als wahrlich hinreißendes Fußballspiel im Stroboskoplicht. King Lear wird dabei mit roter Karte des Platzes (oder der Bühne) verwiesen. - Lichtregie und Musikeinsatz überzeugen nicht nur in dieser Szene.

    Alles durch? - Nein. Das Überstück fehlt noch: "Hamlet". Jetzt muss oder darf auch das Publikum herhalten und mitspielen. - "Der Rest ist Schweigen" - Schluss? - Nein - jetzt nochmals den ganzen "Hamlet" rückwärts.

    "Shakespeares sämtliche Werke" bietet Regieeinfälle für fünf Inszenierungen, Slapstick und Wortwitz, manchmal derb á la Monty Pythons, aber in den Monologen wie Hamlets "Welch ein Meisterwerk ist der Mensch" auch bewegende Momente. Martin Sommerlechner und seinem Team gelang eine Inszenierung, die nicht nur blendend unterhält, sondern auch große Lust auf Shakespeare macht. - Die Aufführungen in Vorarlberg sollten gerade Schulklassen ab etwa 15 Jahren keinesfalls verpassen.

    n Aufführungen: 6. bis 10. Jänner, Bregenz, Festspielhaus Hinterbühne. 13., 17. bis 20. Jänner, Feldkirch, Theater am Saumarkt, 25., 26. und 27. Jänner: Bludenz, Theater in der Remise,. 3., 6., 7., 10. und 11. März, Dornbirn, Kulturhaus Kleiner Saal.

    Dass alle seine Stücke "leicht" gekürzt an einem Abend gespielt werden können, hat sich der große Dramatiker wahrscheinlich nicht vorstellen können.

    Neue Vorarlberger Tageszeitung

    Fr, 17.11.2000

     

Othello als Rap, Hamlet interaktiv

«Shakespeares sämtliche Werke - leicht gekürzt» in der Kellerbühne

Shakespeare ist in: «Wie es euch gefällt» im Theater, und nun gleich alle Werke aufs Mal in der Kellerbühne. Ein köstlicher Spass.

Wer redet im Zeitalter von «Big Brother»-TV noch in Jamben? Wer liest überhaupt Shakespeare? Da und dort meldet sich jemand. Doch nur einer weiss die Antwort: Jon (Martin Sommerlechner), ein Fanatiker, wenn es um den Schriftsteller aller Schriftsteller geht. Unter der Devise «Alles geht, wenn es dazu dient, Shakespeare den Leuten nahe zu bringen» werden Jon und Peter (Renate Bauer) den Schauspieler Chris (Michael Scheffs) überzeugen, sämtliche Frauenrollen zu spielen.
Chris wehrt sich: «Wer will Shakespeare sehen?» Die Leute müssten nach 400 Jahren seiner Werke doch überdrüssig sein. Immerhin gefalle ihm die Idee einer Aufführung sämtlicher Werke ganz gut. Nur: Wie sollen drei Schauspieler alle Rollen spielen? Zum Beispiel, indem Peter, bequem in einem königlichen Sessel sitzend, den Text liest und die andern Romeo und Julia spielen. Das Theater im Theater beginnt, Originalverse vermischen sich mit bissigen Bemerkungen. Akt folgt auf Akt, Verwechslung auf Übertreibung - und das Publikum lacht. Ein Diskurs über die Modernisierung klassischer Theaterstücke führt zum Entscheid, die brutale Tragödie «Titus Andronicus» in einer Küche zu spielen. «Othello» wird kurzerhand in einen köstlichen Rap umgesetzt. Nächste Herausforderung: Die 16 Komödien, die der Autor aus den Werken der Antike «sublimierte», sollen in einer einzigen Komödie komprimiert werden. Der «Liebesdampfer nach Verona» wird zur neodadaistischen Farce, und man stellt fest, dass die Komödien eigentlich «halb so komisch» seien wie die Tragödien. Es folgen «Macbeth» in «schottischer Mundart», «Antonius und Kleopatra» in Form eines romantischen Thrillers und die Königsdramen als Fussballspiel im Stroboskoplicht. 36 Stücke haben die drei Schauspieler hinter sich - fehlt noch «Hamlet». Nun soll das Publikum mitspielen. Das tut es - im Falle von Christina (Schmidheiny) als Ophelia erstaunlich gut. Ein Höhepunkt des interaktiven Theaters: Hamlet wird in Versen rückwärts rezitiert. Der Rest ist Schweigen - und langer Applaus des internationalen Publikums. D.H.
Kellerbühne, heute Freitag, morgen Samstag sowie 15. 11. je 20.15 Uhr

Aus dem Tagblatt vom 10.11.2000 © St.Galler Tagblatt

 

 

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Stand: 15.11.09