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OSKAR UND DIE DAME
IN ROSA
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Vorarlberger
Nachrichten
Theater, das unter
die Haut geht
„Oskar und die Dame in Rosa" ist ein Stück über den Tod und
doch fröhlich.
Sommerlechner: „Es ist ein komisches
Stück, das in der Komik zum Nachdenken anregt:'
(Foto: Keiler)
VERONIKA FEHLE VN
veronika.fehle@vn.vd.at
VN:„ Oskar und die Dame in Rosa" handelt von einem
kleinen Jungen, der sterben wird. Das Stück ist aber
durchaus auch komisch.
Sommerlechner:
Es ist kein
sentimentales Stück. Die Situation wird gezeigt, wie sie
eben ist. Aber gerade dadurch, dass Oskar auch immer wieder
„freche" Briefe an Gott schreibt, hat das Stück auch seine
komischen Seiten. Für Oskar zählt jeder Tag nun für zehn
Jahre und so schreibt er Gott beispielsweise, dass er nun an
einem Tag gerade die Pubertät durchlebt hat.
VN:
Dabei wird mit dem Thema
„Tod" sehr offen umgegangen.
Sommerlechner:
Ich finde, das
muss auch so sein. Wenn man nicht darüber reden könnte,
bliebe es immer ein Tabuthema. Das macht auch den
Unterschied zwischen der Dame in Rosa und Oskars Eltern aus.
Die Eltern tabuisieren das Thema Krebs, die Kommunikation
scheitert. Die Dame in Rosa sagt ihm klipp und klar, wie die
Situation ist.
VN: Kunst, Musik und Comedy bestimmen das
Erscheinungsbild. Wie kam es zu dieser Stilmischung?
Sommerlechner: Wir wollen
Theater aus der Hosentasche machen, also mit wenig Aufwand
und ohne große Bühnenhydraulik. So, dass wir auch an
verschiedenen Orten im Land das Stück spielen können. Mit
Musik werden Orte und Stimmungen definiert. Comedy darf
nicht im Sinn der Stand-Up-Comedy verstanden werden. Man
klatscht sich nicht vor Lachen auf die Schenkel. Es ist
Komik mit Tiefgang.
VN: Immer
wieder sind auch Gemälde von Schiele, Klee und anderen
präsent. Welche Funktion erfüllen sie?
Sommerlechner:
Es sind
Gemälde, die sich mit dem Tod beschäftigen. Sie sind im
Hintergrund immer präsent und werden auf Spitalshemden
Projiziert. So ist das Thema des Todes, neben aller Komik.
im Hintergrund sichtbar.
VN: Sie
proben ja bereits. Muss man da nicht auch, thematisch
bedingt, manchmal ordentlich schlucken?
Sommerlechner:
Ich bin ja
selbst Vater, und als ich das Stück gelesen habe,
kamen auch mir die Tränen. Ich habe also ein Weilchen
gebraucht. bis ich es geschafft habe, das Stück
durchzustehen. Das Stück geht unter die Haut.
Oskar und die Dame in Rosa" ist am ® 20.
und 21. April, 20 Uhr, in der Remise Bludenz zu
sehen. Weitere Termine 14. Mai, 20.30 Uhr, Kammgarn Hard; 20
21., 25., 26. Mai, 20 Uhr, Kommarkttheater Bregenz; 8. und
9. Juni, 20 Uhr, Pförtnerhaus Feldkirch.
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Vorarlberger Nachrichten
Das Schwere kann auch leicht sein
•
Theater Shakespeare versucht mit „Oskar und die Dame in
Rosa" gut zu trösten.
Hard (VN-cd) Ursprünglich wollte man
die bereits vielfältige Vorarlberger Theaterszene noch
mit Comedy anreichern. Obwohl das Theater Shakespeare
jene szenischen Lesungen, die es nun bietet, auch in
dieses Genre reiht, hat man damit eine Kursänderung
vorgenommen. Und blieb nach dem Publikumserfolg mit
„Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" von
Eric-Emmanuel Schmitt bei diesem Autor. Das Büchlein „Oskar und die Dame in
Rosa" über das Sterben eines krebskranken Kindes hat
schon manche getröstet. Szenisch nacherzählt (Regie:
Renate Bauer) soll es nun noch mehr Menschen erreichen.
Dem Kitsch entwischt
Das tut es auch. Martin Sommerlechner
spielt mit leiser Naivität das kranke Kind, Karin Mommsen
(jahrzehntelang ein beliebter „Fixpunkt" im Ensemble des
Theaters für Vorarlberg) jene Frau, die die Mauer, die das
Kind um sich errichtet, durchbricht. Es wird ein bisschen
viel gepoltert, wenn sie von ihrer Vergangenheit als
Ringerin erzählt und diese Kraft auf Oskar überträgt, man
weicht aber auch dem Kitsch (der dem Text innewohnt) sehr
gut aus. Oscar, dessen Sterben von seinen Eltern verdrängt
wird, findet - auch wenn er vom Weihnachtsmann enttäuscht
wurde - in der Religion ein wenig Halt. Er erlebt jeden ihm
noch bleibenden Tag wie ein Jahrzehnt, verliebt sich und
übernimmt Verantwortung. Egal, ob man gläubig ist oder
nicht, etwas nimmt man auf jeden Fall mit. Ein schwerer
Stoff, der hier schön leicht da herkommt, auch wenn es vor
Vorteil gewesen wäre auf einige der projizierten und dann
doch ablenkenden Kunstwerke zu verzichten.
Weiterte Termine von „Oskar und die Dame
in Rosa": 14. Mai, 20.30 Uhr Kammgarn Hard, 20., 21.,
25. und 26. Mai 20 Uhr, Landestheater Bregenz, 8. und
9 Juni, 20 Uhr, Pförtnerhaus Feldkirch
Regisseurin Renate Bauer mit Karin
Mommsen und Martin Sommerlechner. (Foto: Theater
Shakespeare
Neue
Das Sterben eines Kindes
Nach „Monsieur Ibrahim und die Blumen des
Koran" im Vorjahr zeigt Shakespeare, das theater auch,
heuer ein Stück von Eric-Emmanuel Schmitt. „Oskar und die
Dame in Rosa" hat morgen in der Remise in Bludenz Premiere.
VON BRIGITTE KOMPATSCHER
Es ist kein leichtes Thema, welches in
Eric-Emmanuel Schmitts Erzählung „Oskar und die Dame in
Rosa" abgehandelt wird. Das Sterben eines zehnjährigen
Kindes, Oskar, an Krebs bildet den Inhalt der Geschichte,
die von Shakespeare, das theater in diesem Jahr für die
Bühne adaptiert wird und von der Martin Sommerlechner vom
Theater sagt: „Hier wird ein Tabuthema unsentimental, witzig
und poetisch rübergebracht." Eric-Emmanuel Schmitt biete mit
seinen Texten die Möglichkeit, „Comedy als Erzählform zu
verwenden, ohne kabarettistisch zu sein".
Der Text ist „eine Art Briefroman von
Oskar an den lieben Gott, obwohl er nicht daran glaubt",
so Sommerlechner, und schildert die
letzten Tage im-heben des Jungen, die er im Krankenhaus
verbringt. Mit seinen Eltern kann Oskar nicht mehr richtig
reden, eine Dame in Rosa wird zur zentralen Figur.
In der Inszenierung von Renate Bauer wird
„Oskar und die Dame in Rosa" gelesen, gespielt sowie mit
Musik, teils eigens dafür komponiert, und Videos
(Projektionen von Bildern von Künstlern zum
Thema Tod) unterlegt Als Oskar ist Martin Sommerlechner zu
sehen und die Grande Dame des ehemaligen Theater für
Vorarlberg, Karin Mommsen, ist nach langer Zeit wieder auf
einer Vorarlberger Bühne zu sehen: Sie spielt in der
Produktion von Shakespeare, das theater die Dame in Rosa.
Die Premiere ist morgen.
• Premiere: Donnerstag. 20. April, 20
Uhr, Remise Bludenz. Weitere Aufführung in Bludenz: Freitag,
21. April, 20 Uhr. Hard, Kammgarn: 14. Mai, 20.30
Uhr. Bregenz, Foyer Landestheater: 20., 21., 25. und 26.
Mai, jeweils 20 Uhr. Feldkirch, Pförtnerhaus: 8. und 9.
Juni 20 Uhr.
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kultur
SAMSTAG , 2 2 .
A P R I L 20 0 6
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Foto: shakespeare, das theater
Oskar: „Nur der liebe
Gott darf mich wecken"
Shakespeare, das theater startete am Donnerstag in
Bludenz seine neue
Produktion „Oskar und die Dame in Rosa" nach
Eric-Emmanuel Schmitt.
V ON
MARTIN
JUEN
Die kleine wie feine Theatergruppe setzte
den Start ihrer diesjährigen Bühnentournee in der Bludenzer
Remise an. Der Saal war fast ausverkauft, das Alpenstädtle
konnte sich über eine gelungene Premiere von „Oskar und die
Dame in Rosa" nach einem Briefroman von Eric-Emmanuel
Schmitt freuen.
Dabei steht der
Stoff vordergründig unter keinem „guten" Motto: jenem des
Sterbens. Und der betroffene Oskar ist kein
Mensch im Lebensherbst, sondern ein
mental ziemlich aufgeweckter Junge, der an Leukämie
erkrankt ist.
Doch nicht
sein eigenes, sondern das vermeintliche Leiden seiner
Angehörigen schmerzt den Zehnjährigen. Das von ihm
überlauerte Schweigen und Lügen seiner Eltern weckt den
Trotz. Und
Oma Rosa, ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Klinik, die nur
Oskar so nennen darf, weckt nochmals alle Lebensgeister des
Todgeweihten.
Sie überredet
ihn zum Dialog mit Gott, ohne auf dieses vom Klerus geformte
Übervaterbild zu bestehen. An den kann der Knabe nicht
glauben, schließlich will er sich nach der Pleite mit dem
Weihnachtsmann nicht nochmals über den Tisch ziehen lassen.
Und doch beharrt er darauf: „Nur der liebe Gott darf mich
wecken." Wie nun die Dame in Rosa es schafft, Oskar über 100
Jahre alt werden zu lassen, sollten Sie sich gönnen. Auch
weil unter der sensiblen Spielleitung von Renate Bauer
dieser erfrischend
agierende Martin Sommerlechner den
krebskranken Buben ausgesprochen lebensnahe bringt. Karin
Mommsen
gibt authentisch die gütige Oma Rosa
sowie die Stimme aus dem Off, die sie sich mit Einspielungen
vom Band teilt. Die schlichte Kulisse wird nur durch
unterschiedliche Bildprojektionen verstärkt und fördert so
eine bemerkenswerte Entfaltung der beiden Mimen.
So gerät das
Stück zu einem erbauenden Bekenntnis zum Leben – und also
zum Tod . . . „Oskar und die
Dame in Rosa" in der Version von Shakespeare, das theater
ist eine sehenswerte Produktion, die in den nächsten Wochen
auf mehreren Bühnen des Landes zu sehen sein wird.
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"MONSIEUR IBRAHIM UND DIE BLUMEN DES
KORAN"
NEUE VORARLBERGER TAGESZEITUNG
vom 24 05 05
„Es ist das Lächeln, das glücklich macht"
In den nächsten Wochen ist auf mehreren
Bühnen des Landes „Monsieur Ibrahim und die Blumen des
Koran" von Eric-Emmanuel Schmitt zu sehen.
VON MARTIN JUEN
Der junge Moses freundet sich mit
Monsieur Ibrahim, dem einzigen „arabischen" Händler in der
Rue Bleue in Paris an. Der weise Mann schenkt dem von ihm
Momo genannten Heranwachsenden jene Aufmerksamkeit und Güte,
welche dem von seinem depressiven Vater verwehrt bleibt.
Übrigens: In Monsieur Ibrahims Metier ist ein Araber einer,
der „von acht bis 24 Uhr und auch sonntags" geöffnet hat. Er
hat also viel Zeit und Geduld.
Der anfänglich ziemlich schweigsame
Händler, ein Anhänger des Sufismus, öffnet dem
Pubertierenden mit wachsender Zuneigung die Schatztruhe
seines großen Wissens. Ob das Lächeln nur etwas für
glückliche Menschen sei, fragt etwa der Junge. Und der Alte
antwortet: „Es ist das Lächeln, das glücklich macht." Aber
auch viele andere Weisheiten vertraut Monsieur Ibrahim
seinem Freund an, den er schließlich in die eigene, lange
nicht mehr gesehene Heimat und dort zu den Derwischen führt.
Die freie Gruppe
Shakespeare,
das theater hat den Stoff von Eric-Emmanuel Schmitt für die
Bühne adaptiert (Regie: Renate Bauer). Martin Sommerlechner
gibt mit großem Einsatz den Moses, spricht aber auch die
weiteren Rollen - nur Ibrahims Part ist fragmentarisch über
Band zugespielt (Bruno Felix) - und füllt somit eine
schlichte Kulisse mit enormem Leben. Das Stück profitiert
also nicht nur von der Vorlage, sondern ebenso vom
wohldosierten Engagement des Darstellers. An den Nuancen der
Beschallung sollte noch gefeilt werden. Ansonsten hat
Shakespeare,
das theater eine bemerkenswerte Produktion erarbeitet,
welche noch bis 8. Juni in Bregenz (heute, 26., 31. 5.:
Theater am Kornmarkt), Dornbirn (25., 28. 5.: Kulturhaus),
Feldkirch (29. 5., 1., 2. 6.: Theater am Saumarkt), Lindau
(5. 6.: Zeughaus) und Bludenz (7. und 8. 6.: Remise) zu
sehen ist.
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VORARLBERGER NACHRICHTEN
vom 28. 05 05
Warmherziger Humor bei
Theater „ Shakespeare"
Bregenz (VN-hv) " Eric-Emmanuel Schmitts
hinreißende, bittersüße Erzählung " Monsieur Ibrahim und die
Blumen des Koran" wurde vom Ensemble "
Shakespeare"
für die Bühne bearbeitet.
Die Ausgangssituation des Jungen Moses
ist mehr als trist: Die Mutter hat den Säugling verlassen,
der Vater begeht Selbstmord, weil er nie verkraftet hat, als
Einziger seiner jüdischen Familie die Judenverfolgung
überlebt zu haben. Doch zum Glück ist da der muslimische
Krämer Monsieur Ibrahim.
Unter der Regie von Renate Bauer spielt
Martin Sommerlechner - vor Jahren waren beide
Ensemblemitglieder am Theater für Vorarlberg - quicklebendig
den anfangs elfjährigen Jungen, der sich als Loser fühlt,
bis ihn Monsieur Ibrahim behutsam aus dieser Rolle
herausführt. Vom Band hören wir dessen Stimme (von Bruno
Felix mit viel Güte gesprochen), ein andermal schlüpft
Sommerlechner selbst in beide Rollen.
Miteinander keine Utopie mehr
Gespielt wird mit einem Minimum an
Requisiten. Martin Sommerlechners wetterleuchtendes Gesicht
wird zur eigentlichen Bühne, auf der sich Weinen und Lachen
wie auch das die Welt erobernde Lächeln abspielen. Neben der
Selbstfindung des Jungen wird hier das reibungslose
Miteinander in einer multikulturellen Gesellschaft nicht als
Utopie, sondern als Realität erzählt. Die Poesie und der
warmherzige Humor kommen herüber, die tiefere Dimension
berührt bei dieser erfrischend natürlichen und doch auch
nachdenklich stimmenden Aufführung.
Weitere Aufführungen im Bregenzer
Kornmarkttheater, 26. und 31. Mai, 20 Uhr, im Kulturhaus
Dornbirn (28. Mai), am Feldkircher Saumarkt (29. Mai, 1. und
2. Juni) sowie in der Bludenzer Remise (7. und 8. Juni).
Internet: www.shakespearetheaterverein.com
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DREHPUNKTKULTUR
So einfach sollte das Leben sein
„Monsieur Ibrahim und die Blumen des
Koran" in einer Bühnenfassung im Theater im Saumarkt im
voralbergischen Feldkirch
Von Georg Reittner
28.06.05
Der Film „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" lief
vor kurzem in Salzburgs Kinos. Omar Sharif spielte da in
eindrucksvoller Weise den Monsieur Ibrahim. Daher war ich
mehr als gespannt, wie das Bühnenstück, aufgeführt von
„Shakespeare, das Theater" im Saumarkt Theater im
voralbergischen Feldkirch, aussehen würde. Letzte Woche war
ich dort und habe meiner Leidenschaft fürs Theater
nachgegeben. Und es hat sich gelohnt. Falls Sie in dieser
Gegend sind: es wird noch am 6. und 7. Juli in der Remise in
Bludenz gespielt.
Ich wusste ja, von frühren Besuchen im
Ländle, dass es weder eine aufwendige noch teure Produktion
sein konnte – das Saumarkt Theater ist klein und hat nur
wenige Zuschauerplätze. Ein Alurahmen mit einem
Schnürl-Vorhang an dem lauter kleine runde Metallplättchen
angebracht sind, sind die Requisiten: Es ist der Eingang zum
Laden des "Arabers", wie er von den Kunden genannt wird.
„Araber sein bedeutet, auch nachts und
sonntags den Laden geöffnet zu haben!" Nur ein Schauspieler
ist auf der Bühne: Martin Sommerlechner. Und dieser erzählt
rückblickend die Geschichte vom Heranwachsen eines jüdischen
Buben namens Moses, der vergebens um die Anerkennung seines
lebensuntüchtigen Vaters kämpft. „Mein Bruder wurde mir
immer als Vorbild hingestellt. Er ist mit Mutter kurz nach
meiner Geburt davongegangen." Regie führte Renate Bauer.
Als Hintergrundmusik erklingt Jazz. Diese
kommt, ebenso wie die Stimme des Monsieur Ibrahim (Bruno
Felix), vom Band. Der junge Moses, von Monsieur Ibrahim Momo
gerufen, beginnt seinen Vater zu bestehlen, später dehnt er
seinen Wirkungsbereich auch auf den Laden des Arabers aus.
„Ich hätte ihn noch jahrelang beklaut, wäre da nicht
Brigitte Bardot in den Laden gekommen..."
Martin Sommerlechner erzählt nicht nur
eine Geschichte, er vermag mit seinem Spiel auch die
handelnden Personen lebendig werden zu lassen, dass der
Eindruck entsteht, sie stünden auf der Bühne. „Monsieur
Ibrahim hat mir die wirkungsvollste aller Waffen gegeben:
das Lächeln!" und „Was du verschenkst, bleibt für immer
erhalten. Was du jedoch für Dich behältst, ist für immer
verloren!" So einfach sollte das Leben sein.
-
"SHAKESPEARES SÄMTLICHE WERKE -
LEICHT GEKÜRZT"
Neue Vorarlberger Tageszeitung
Fr, 17.11.2000
Kultur
Shakespeare kompakt - ein komödiantisches
Feuerwerk
Alle 37 Stücke Shakespeares wurden in der
Kellerbühne St. Gallen an einem Abend aufgeführt, "leicht"
gekürzt natürlich. Im Jänner kommenden Jahres wird diese
hinreißende Produktion auch in Vorarlberg zu sehen sein.
VON WALTER GASPERI
Shakespeare ist "in", allerdings nur in
der entsprechenden Aufbereitung. Im Kino landete Baz Luhrman
dank des schönen Leo mit seinem "Romeo und Julia"-Videoclip
einen Welterfolg und "Shakespeare in Love" räumte bei der
Oscar-Verleihung 1999 so richtig ab.
Auch Jon (Martin Sommerlechner) will den
Leuten Shakespeare nahe bringen. Kann man das denn heute -
in der Zeit von "Big Brother", Gottschalk und Schmidt -
überhaupt noch? - Sicher doch, wenn man mit drei
SchauspielerInnen in 100 Minuten alle 37 Stücke des großen
Dramatikers aufführt, bleibt keine Zeit für Langeweile. Dies
ist der Ausgangspunkt von "Shakespeares sämtliche Werke -
`leicht' gekürzt", das seit fünf Jahren mit großem Erfolg im
Londoner Westend läuft und nun von Martin Sommerlechner mit
Renate Bauer und Michael Schefts in St. Gallen inszeniert
wurde.
Ironisch und respektlos
Chris (Michael Schefts) eröffnet mit
einer kurzen Shakespeare-Biographie, verirrt sich dabei aber
in Hitlers Leben. - Immer wieder werden informative
Einblicke in Leben und Werk des englischen Dramatikers
geboten, aber immer folgt auch rechtzeitig der Wechsel ins
Komödiantische. Mit "Romeo und Julia" geht der Stücke-Reigen
dann los. Originalverse werden zitiert, teils ernst, teils
aber auch durch Mimik und Gestik der Schauspieler ironisch
gebrochen. Die berühmte Balkonszene wird zu einem funkelnden
Kabinettstückchen. Als wunderbar eingespieltes Team erweisen
sich nicht nur hier Bauer, Sommerlechner und Schefts.
Dass es sich um eine typisch englische
und das heißt respektlose und für manche vielleicht auch
geschmacklose Comedy handelt, wird spätestens bei der "Titus
Andronicus"-Inszenierung deutlich: Im TV-Kochstudio bereitet
Titus seinen Gegner zur Menschenkopfpastete zu.
Vom Rap bis zum Fußballspiel
Othello wird als Rap aufgeführt, die 16
Komödien werden zu einer verarbeitet, da "alle nach dem
gleichen Schema aufgebaut sind". Doch die Tragödien sind
viel lustiger als die Komödien. "Macpscht" (den Namen nie in
einem Theater aussprechen: alter englischer Fluch) wird als
schottisches Mundartstück dargeboten und die Königstragödien
als wahrlich hinreißendes Fußballspiel im Stroboskoplicht.
King Lear wird dabei mit roter Karte des Platzes (oder der
Bühne) verwiesen. - Lichtregie und Musikeinsatz überzeugen
nicht nur in dieser Szene.
Alles durch? - Nein. Das Überstück fehlt
noch: "Hamlet". Jetzt muss oder darf auch das Publikum
herhalten und mitspielen. - "Der Rest ist Schweigen" -
Schluss? - Nein - jetzt nochmals den ganzen "Hamlet"
rückwärts.
"Shakespeares sämtliche Werke" bietet
Regieeinfälle für fünf Inszenierungen, Slapstick und
Wortwitz, manchmal derb á la Monty Pythons, aber in den
Monologen wie Hamlets "Welch ein Meisterwerk ist der Mensch"
auch bewegende Momente. Martin Sommerlechner und seinem Team
gelang eine Inszenierung, die nicht nur blendend unterhält,
sondern auch große Lust auf Shakespeare macht. - Die
Aufführungen in Vorarlberg sollten gerade Schulklassen ab
etwa 15 Jahren keinesfalls verpassen.
n Aufführungen: 6. bis 10. Jänner,
Bregenz, Festspielhaus Hinterbühne. 13., 17. bis 20. Jänner,
Feldkirch, Theater am Saumarkt, 25., 26. und 27. Jänner:
Bludenz, Theater in der Remise,. 3., 6., 7., 10. und 11.
März, Dornbirn, Kulturhaus Kleiner Saal.
Dass alle seine Stücke "leicht" gekürzt
an einem Abend gespielt werden können, hat sich der große
Dramatiker wahrscheinlich nicht vorstellen können.
Neue Vorarlberger Tageszeitung
Fr, 17.11.2000
Othello als Rap, Hamlet interaktiv
« Shakespeares
sämtliche Werke -
leicht gekürzt» in der Kellerbühne
Shakespeare ist in: «Wie es euch gefällt»
im Theater, und nun gleich alle Werke aufs Mal in der
Kellerbühne. Ein köstlicher Spass.
Wer redet im Zeitalter von «Big
Brother»-TV noch in Jamben? Wer liest überhaupt Shakespeare?
Da und dort meldet sich jemand. Doch nur einer weiss die
Antwort: Jon (Martin Sommerlechner), ein Fanatiker, wenn es
um den Schriftsteller aller Schriftsteller geht. Unter der
Devise «Alles geht, wenn es dazu dient, Shakespeare den
Leuten nahe zu bringen» werden Jon und Peter (Renate Bauer)
den Schauspieler Chris (Michael Scheffs) überzeugen,
sämtliche Frauenrollen zu spielen. Chris wehrt sich: «Wer will Shakespeare sehen?» Die Leute
müssten nach 400 Jahren seiner Werke doch überdrüssig sein.
Immerhin gefalle ihm die Idee einer Aufführung sämtlicher
Werke ganz gut. Nur: Wie sollen drei Schauspieler alle
Rollen spielen? Zum Beispiel, indem Peter, bequem in einem
königlichen Sessel sitzend, den Text liest und die andern
Romeo und Julia spielen. Das Theater im Theater beginnt,
Originalverse vermischen sich mit bissigen Bemerkungen. Akt
folgt auf Akt, Verwechslung auf Übertreibung - und das
Publikum lacht. Ein Diskurs über die Modernisierung
klassischer Theaterstücke führt zum Entscheid, die brutale
Tragödie «Titus Andronicus» in einer Küche zu spielen.
«Othello» wird kurzerhand in einen köstlichen Rap umgesetzt.
Nächste Herausforderung: Die 16 Komödien, die der Autor aus
den Werken der Antike «sublimierte», sollen in einer
einzigen Komödie komprimiert werden. Der «Liebesdampfer nach
Verona» wird zur neodadaistischen Farce, und man stellt
fest, dass die Komödien eigentlich «halb so komisch» seien
wie die Tragödien. Es folgen «Macbeth» in «schottischer
Mundart», «Antonius und Kleopatra» in Form eines
romantischen Thrillers und die Königsdramen als
Fussballspiel im Stroboskoplicht. 36 Stücke haben die drei
Schauspieler hinter sich - fehlt noch «Hamlet». Nun soll das
Publikum mitspielen. Das tut es - im Falle von Christina (Schmidheiny)
als Ophelia erstaunlich gut. Ein Höhepunkt des interaktiven
Theaters: Hamlet wird in Versen rückwärts rezitiert. Der
Rest ist Schweigen - und langer Applaus des internationalen
Publikums. D.H. Kellerbühne, heute Freitag, morgen Samstag sowie 15. 11. je
20.15 Uhr
Aus dem Tagblatt vom 10.11.2000 ©
St.Galler Tagblatt
WOODY LESUNG & ALLEN JAZZ
SCHÜLERINNENTHEATER Borg Lauterach

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